Editorial


Wir freuen uns über Ihr Interesse an der ÖAD und heißen Sie, als Leser unserer Homepage, herzlich willkommen.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts leben wir in einer medial vernetzten, von Wirtschafts- und Finanzmärkten gesteuerten globalisierten Welt. Die dadurch entstandenen Machtverhältnisse stellen die Menschheit  in einer noch nie dagewesenen Art und Weise vor große Herausforderungen. Von deren Bewältigung wird die Überlebenschance für zukünftige Generationen abhängen.

Daher bedarf es der gemeinsamen Anstrengungen aller Staaten, politischen Kräfte und Zivilgesellschaften, um gehbare Wege in eine erlebbare, für alle menschenfreundliche Zukunft zu gestalten. Dabei werden die Fragen nach einer gerechten Weltwirtschaft und einer gerechten Verteilung des erwirtschafteten Wohlstandes im Kampf gegen Armut und Hunger auf unserer Erde, die Friedensfähigkeit zwischen den Völkern, Kulturen und Religionen, der nachhaltige Umgang mit den begrenzten Ressourcen der Erde, die Bewahrung der Lebensräume für Menschen, Tiere und Pflanzenvielfalt, von überlebensnotwendiger Bedeutung sein.

Diese Überlebensfragen dürfen wir nicht länger allein den Interessen der Wirtschafts- und Kapitalmärkte und ihres Machtstrebens nach Profit und Gewinn und einer falsch verstandenen Wachstums- und Wohlstandsideologie unterordnen und preisgeben.

Mit der Etablierung des Neoliberalismus[1]  hat die Politik gegenüber der Wirtschaft und Finanzwirtschaft und deren Interessen und Märkten schon längst ihre Freiheit und Selbstbestimmung verloren. Gleichzeitig ging damit die Zurückdrängung der demokratischen Grundordnung einher. Mit einem massiven Lobbyismus wird seitens wirtschaftlicher und finanzorientierter Kräfte massiv Einfluss genommen auf politische Entscheidungen. Dies zieht einen verhängnisvollen Verfall von ethischen und moralischen Werten und Normen in der politischen Kultur nach sich, dem immer öfter auch Mandatsträger erliegen. Die endlose Kette von Korruption und Täuschungen ist ein trauriges Spiegelbild dieses gesellschaftlichen Sachverhaltes und zeugt von einem Notstand politischer Glaubwürdigkeit. Die etablierten Parteien samt ihren Repräsentanten vermögen es allein nicht, sich aus diesem Dilemma zu befreien.

Daher bedarf es des couragierten Engagements jedes einzelnen Bürgers für eine sich an ethisch-moralischen  Werten und Normen des Humanen, Sozialen, der Gerechtigkeit orientierenden  und  dem Frieden verpflichteten politischen Kultur. Die in der Tradition des Juden- und Christentums, sowie des Humanismus und der Aufklärung überlieferten Normen und Werte können dafür als Leitbild dienen. Wir wollen sie wieder stärker in das Bewusstsein der Gesellschaft rücken und ihnen eine Stimme geben, mit der wir uns einmischen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Aus christlicher Verantwortung wollen wir gemeinsam mit Bürgern, die sich für menschenfreundliche Verhältnisse engagieren, unsere Stimme erheben für eine von Gerechtigkeit und sozialer Verantwortung geprägte Gesellschaft und für unabhängige, in  ihrer politischen Entscheidungsfindung freie und glaubwürdige, sich allein ihrem Gewissen und der Verantwortung gegenüber den Wählern verpflichtet wissende politische Mandatsträger.

Dresden im Oktober 2012


 

[1]Neoliberalismus: „Wirtschaftliches und sozialphilosophisches Konzept für eine Wirtschaftsordnung, die durch Steuerung aller ökonomischen Prozesse über den Markt, d.h. durch einen möglichst freien und funktionsfähigen Wettbewerb, gekennzeichnet ist.“ – Staatsinterventionismus und jegliche Form von Sozialismus und Planwirtschaft wird abgelehnt. Der unbeschränkte Wettbewerb wird als Voraussetzung für das Wirken, der am Eigennutz orientierter Eigeninitiative verstanden. Eine zentrale Wirtschaftlenkung durch den Staat oder Kartelle wird  gleichfalls abgelehnt. ( Brockhaus-Enzyklopädie, 19. Auflage 1991, Bd. 15 / Der Brockhaus in einem Band, 4.akt. Auflage 1992.)