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Ausführungen zum Gemälde der Künstlererin Iris Hahs-Hoffstetter „Aus den Seligpreisungen“, sowie zu der Vita der Malerin.

IHH Porträt_1977 kIRIS HAHS-HOFFSTETTER
Malerin und Grafikerin
(1908-1986)

...ich versuche durch Beobachten und Nachdenken das Wesen der Dinge und deren Sinn zu erfassen, um dann mit den Elemente Form, Farbe und Rhythmus eine neue Wirklichkeit zu erschaffen…

Iris Hahs-Hoffstetter, Zernsdorf, 1. Juni 1977

Die Wachskreidearbeit „Aus den Seligpreisungen“ der Malerin und Grafikerin Iris Hahs-Hoffstetter, wurde von der Ökumenischen Aktionsgruppe Dresden als Sinnbild für den Inhalt und die Zielstellung ihrer Aufgaben ausgewählt.

Mit ihrem 1972 entstandenen Werk (farbige Wachskreide, 30 x 21 cm) bezieht sich die Künstlerin auf das Herzstück biblischer, neutestamentlicher Botschaft: Die Seligpreisungen der Bergpredigt Jesu (Matthäus Evangelium, Kap. 5, Verse 1 – 12). Diese Verse sind maßgebend für die christliche Ethik- und Soziallehre. Mit ihrem Normen- und Wertekatalog benennt die Bergpredigt  (Matthäus Evangelium, Kapitel 5 – 7) die Rahmenbedingungen für ein von Gott gewolltes gelingendes, heilvolles Leben und Zusammenleben der Menschen. Dabei geht es nicht ausschließlich um bloße Normerfüllung, sondern vielmehr um die Gesinnung des Herzens.

Mit der Bergpredigt verknüpft Jesu von Nazareth göttlichen Heilswillen und menschliche Existenz. Letztere zu gestalten obliegt der Verantwortung des Menschen.

In Ihrem Bildwerk vermag die Künstlerin Iris Hahs-Hoffstetter in ausdrucksstarker Weise der Linienführung und Farbgestaltung die Dimension des Himmlischen und Irdischen, des Göttlichen und Menschlichen in eine Beziehung zu setzen, miteinander zu verbinden, ineinander zu verweben.
Eine helle Linie des Lichtes umschlingt und bindet zusammen das Blau des Himmels und das Braun des Irdischen, der Erde, auf der und von der die Menschheit lebt. – Das bedrohliche Schwarz, der Tod und alles, was einem sinnvollen und erfülltem Leben entgegen steht, es einengt und zerstört, wird von dieser zum Leben befreienden Botschaft der Seligpreisungen aufgebrochen, an den Rand gedrängt, verliert seine Macht. In der Mitte des Bildes, von der geschwungenen, bewegten hellen Linienführung umfangen und gleichsam die Grenze des Gegenständlichen durchbrechend – erahnt man das eigene Involviert-sein. Das eigene Ich im Zentrum? Oder eine überirdische und doch ganz nahe Gestalt, die sich dem Betrachter zuwendet, ihn anspricht?

Der Betrachter selbst wird zum Adressaten der Botschaft. Ihm gelten die Verheißungen und Zusagen der Seligpreisungen.

Die Erfahrungen des Glücks und der Freude gelebter Verantwortung wird denen zuteil, denen die Not und das Leid von Menschen in dieser Welt nicht gleichgültig ist, die sich für Gerechtigkeit stark machen und dem Frieden das Wort reden, die die Schöpfung bebauen und sie zugleich vor Schaden bewahren, die für ihre Überzeugungen eintreten, auch wenn das nicht immer zum Vorteil gereicht. Sie werden die Kinder Gottes und die Kinder der Erde sein, mit denen das Erleben der „Neuen Welt Gottes“, in der Frieden und Gerechtigkeit herrschen, erlebbar wird, mitten unter uns.

Unser besonderer Dank gilt der Tochter der Künstlerin Iris Hahs-Hoffstetter,
Frau Gabriele Winter, die  uns  die Genehmigung erteilte, das Bild „Aus den Seligpreisungen“ als Symbol unserer Arbeit verwenden zu dürfen.

Iris Hahs-Hoffstetter: Grafikerin und Malerin

  • geb. 16.07.1908 in Tuttlingen – verst. 12.08.1986 in Zernsdorf
  • 1924 – 1927: Studium an der Kunstgewerbeschule Stuttgart
  • 1927 – 1931: Studium an den Kunstwerkstätten Burg Giebichenstein in Halle an der Saale. Schülerin von dem Maler Erwin Hahs, der an den Kunstwerkstätten eine Professur inne hat.
  • 1932: Heirat mit Erwin Hahs
  • 1933: Mit Machtanritt der Nazis wird Erwin Hahs die Professur entzogen. Er und seine Frau werden mit Berufsverbot belegt. Ihre Werke werden als „Entartete Kunst“ diffamiert.
  • 1946: Rehabilitierung, erneute Berufung von Erwin Hahs auf einen Lehrstuhl an die Burg Giebichenstein.
  • 1952: Wegen seiner zeitkritischen Werke, die nicht den Vorstellungen des Regimes vom Sozialistischen Realismus entsprechen, und wegen seiner Kritik an der Kulturpolitik der DDR erfolgt erneut die Zwangsemeritierung und der Ausschluss aus der Gutachterkommission des VBKD (Verband Bildender Künstler Deutschlands)
  • 1960: Iris Hahs Hoffstetter wird unter dem Vorwand, sich nicht an Ausstellungen zu beteiligen und der Begründung, Ihre Werke entsprächen nicht den Erwartungen, die der VBKD an seine Mitglieder stellt, vom Verband ausgeschlossen, was einem Berufsverbot gleichkommt. Fortan findet die Künstlerin, wie zuvor schon ihr Mann nur in Räumen der Kirche „ein bescheidenes Forum ihrer künstlerischen Aktivitäten“ (M. Mach: „Iris Hahs-Hoffstetter, Malerin und Grafikerin – Hommage zum 100. Geburtstag“,
    in Heimatkalender Königswusterhausen 2008).

Das künstlerische Schaffen von Iris Hahs-Hoffstetter ist geprägt vom Geist des Expressionismus, eine sich in Deutschland zu Beginn des 20.Jahrhunderts, um 1905/06  durchsetzende Stilrichtung in bildender Kunst und Literatur, gekennzeichnet durch die Abkehr von der objektiven Weltdarstellung zugunsten einer subjektiven Ausdruckssteigerung der bildkünstlerischen und sprachlichen Mittel.

Als Expressionismus in der bildenden Kunst werden in Deutschland hauptsächlich die mit den Künstlergruppen „Brücke“ und „Der blaue Reiter“ verbundenen Stilströmungen identifiziert.
Kennzeichnend für die expressionistische Malerei und Grafik sind ferner eine anaturalistische und ungebrochene Farbgebung mit Nutzung der den Farben innewohnenden Assoziationskraft als Mittel der Ausdruckssteigerung, die Veränderung der natürlichen Maßverhältnisse zugunsten der emotionalen Gebärde, starke Linienbetonung und farblichen Kontrast- und Monumentalwirkung. Im bewussten Abweichen vom natürlichen Wirklichkeitsbild tendiert der Expressionismus von Anfang an zur Abstraktion. Die entschiedensten Vertretern des deutschen Expressionismus wurden die dt. Maler Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Ruttluff, Pechstein, Otto Mueller und Emil Nolde.

(Literatur: Bertelsmann Lexikothek.Bd.4, 1994 / Brockhaus Enzyklopädie Bd.7,1988)
Quelle: Ortschronik Zernsdorf, Ortschronistin Margit Mach
Quelle: Hahs-Hoffstetter – Galerie

Weitere Informationen zu Iris Hahs–Hoffstetter s. unter www.zernsdorf.de .